Wissenschaftlich erwiesen: alles Vollidioten ausser Ihnen.

Schon Reichskanzler Otto von Bismarck meinte, dass es ein Fehler sei, bei jedem Andersmeinenden entweder an seinem Verstand oder an seinem guten Willen zu zweifeln.

 

Die Einflüsse, denen wir selber unterworfen sind, deuten wir als Quelle der Weisheit und Erleuchtung, jene unserer Gegner als den Ursprung von Vorurteilen und Ressentiments. Das Internet verstärkt das: Jeder kann sich seine persönliche News-Diät zusammenstellen, und die meisten Menschen bevorzugen Quellen, die ihre Meinungen bestätigen (Meinungsblase). Das Problem sind nicht Fake News. Das Problem ist, dass die Menschen in einem nie dagewesenen Maß wählen können, welche Information sie finden wollen. In uns allen wohnt die Tendenz, gezielt nach Informationen Ausschau zu halten, die unsere Meinung bestätigen; Wir alle pflegen die Neigung, widersprechende Fakten besonders kritisch zu untersuchen (falls wir sie nicht völlig ignorieren); wir halten eher für wahr, was wir uns wünschen. 

 

Das Schlimmste: Wir erkennen sofort, wenn andere diese Fehler machen, bloss bei uns selber will uns das nicht gelingen. Aus der Sicht eines Einzelnen ist es oft vernünftig, nicht von einer absurden Meinung abzurücken: Er fühlt sich geborgen in seiner sozialen Gruppe und fürchtet, isoliert zu werden, wenn er die Meinung wechselt.  Eine Meinung zu wechseln gilt für (zu) viele als Verrat. Verrat an der Gruppe, zu der man gehört oder gehören möchte, und Verrat an seinem früheren Ich. Es ist kein Zeichen von Schwäche, die Meinung zu ändern. Sie zeigen damit nicht, dass Sie falschlagen, sondern dass sie etwas gelernt haben.

 

Stellen Sie sich die Frage: Welche konkrete Information würde mich vom Gegenteil überzeugen? Falls Ihnen nichts einfällt, ist Ihre Meinung keine Meinung sondern Ideologie oder Glaube. 

 

Es ist das tragische Schicksal von uns Menschen, dass wir die Welt nicht wirklich mit den Augen der andern sehen können. Dazu fehlen uns nicht nur die anderen Augen, sondern vor allem das andere Gehirn. Wir glauben nur zu gern, dass wir die Dinge vorurteilslos und objektiv zu sehen, obwohl wir wissen müssten - oder zumindest ahnen sollten -, dass das höchst unwahrscheinlich ist angesichts der Tatsache, dass alle anderen auch so denken.

 

Schon Benjamin Franklin bemerkte: Es ist so praktisch, ein rationales Wesen zu sein. Es ermöglicht uns, für alles, was wir machen (wollen), einen Grund zu finden. Bei GR-Wahlen gibt es Kandidaten, die hoffen, gewählt zu werden. Falls sie leer ausgehen, erklären sie, dass sie froh sind, nicht gewählt worden zu sein, weil das Amt ohnehin viel Arbeit gemacht hätte.

 

Sie sollten akzeptieren, dass die offensichtliche Voreingenommenheit, Inkonsequenz und Befangenheit, die sie in anderen Menschen erkennen, diese genau so leicht in Ihnen sehen. Finden Sie sich damit ab: Für Ihre Meinung ist im Universum kein besonderer Platz reserviert.

 

Vielleicht bin ich gar nicht immer meiner Meinung.